Griechisch
Unterrichtende Lehrer:
Herr Dr. Blanas, Herr Dr. Kittlick, Frau Dr. Vazaki
Vorsitzende/r: Herr Dr. Kittlick
Tradition und Zukunft
Vorbemerkung
Die humanistische Bildung, die in Deutschland auf eine lange und würdige Tradition zurückblicken kann, ist ein wichtiger Zugang zum geistigen Erbe und damit zu den Grundlagen unserer europäischen Kultur.
Und unser Zeitalter nennt ein überreiches geistiges Erbe sein eigen: Dieser ererbte Reichtum ist zuerst in Griechenland aufgehäuft und seitdem stetig vermehrt worden. Die Griechen vererbten ihn Rom, Rom dem Christentum, von wo er bis auf unsere Zeit im Besitz des Abendlandes geblieben ist.
Doch nicht nur aus diesem Grunde ist sie ein Schwerpunkt des Evangelischen Gymnasiums Hermannswerder. Sie zielt auf die Entwicklung des eigentlichen humanum im Menschen und zwar in jeder der drei alten Wortbedeutungen: der Menschenfreundlichkeit, der tätigen Mitmenschlichkeit und der (insbesondere literarischen) Bildung als Kennzeichen des Menschen.
Gegenstand der Fächer
Wie die archäologischen Funde, jedoch auf noch direktere Weise, sind die antiken Autoren Zeugen des Lebens im griechisch-römischen Altertum.
Sie vermitteln uns, wie zur damaligen Zeit philosophiert, gestritten, gedichtet, geschmäht wurde – und neben dem historischen Interesse spricht diese klassische Literatur uns auch heute noch an, denn die großen Themen, die Grundfragen, die Menschen, die sie stellen, haben sich nicht geändert, wenngleich die Zeiten und Umstände sich immer ändern werden.
Um nur Platon, Aristoteles, Cicero zu nennen: In den Schriften dieser Philosophen finden wir zum ersten Mal Fragestellungen formuliert (und erörtert), die bis heute aktuell sind - z. B. „Was ist Gerechtigkeit?“, und so finden wir überhaupt die Grundlagen der europäischen Philosophiegeschichte bis heute.
Nicht zuletzt beginnt in der Antike das Christentum seine Entwicklung. Das Neue Testament wurde auf Griechisch verfasst – wie sehr einem die Kenntnis des Originals nützt, weiß der zu schätzen, der einmal zu einer fraglichen Bibelstelle verschiedene, meist sehr unterschiedliche (!) Übersetzungen zu Rate gezogen hat. Auch die Kirchenväter sind hier als wertvolle Zeugen der Kirchengeschichte zu nennen; die Nachwirkung Augustins etwa lässt sich zum Beispiel an Martin Luther sehen. Auch vom Mittelalter kann man sich nur mit lateinischen Sprachkenntnissen und mit einem Grundverständnis der antiken Kultur einen mehr als oberflächlichen Eindruck verschaffen.
Mit welchen Themen man sich speziell auf dem Gymnasium beschäftigen kann, veranschaulicht die folgende Übersicht:
1. Philos. Fragen (Auswahl): Was zeichnet ein gutes Staatswesen aus? (Plato, Cicero), Was ist Gerechtigkeit? (Plato), Wie sieht eine philosophische Lebensführung aus?
Die Unterrichtsarbeit in den klassischen Sprachen
Sie besteht in der Vermittlung der Sprachen des klassischen Altertums, Latein und Griechisch, sowie seiner Kultur und Geschichte.
Hauptziel des altsprachlichen Unterrichts ist somit die Originallektüre lateinischer und griechischer Literatur. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der treffenden und eleganten Übersetzung (im Sinne einer eigenen Kunst), einem Verständnis der sprachlichen Unterschiede zum Deutschen, der sprachlichen Kunst des Originals und vor allem auf der Interpretation und Auseinandersetzung mit dem Inhalt.
Auch die weiteren Aspekte des antiken Lebens bis hin zur Nachwirkung in unserer Kultur bis heute sind Bestandteil der Ausbildung.
Das an unserem Hause benutzte Lehrwerk „Ostia altera“ führt auf zugleich lehrreiche und unterhaltsame Weise in die römische Kultur ein. Während der linguistisch etwas überfrachtete „Cursus gramaticus“ keine Verwendung findet, nutzen wir die Übungsmöglichkeiten des Beiheftes „Scriptorium“. Außerdem steht Begleitsoftware zur Verfügung, die von vielen Schülern bereits genutzt wird.
Die Unterrichtsarbeit wird erweitert durch regelmäßige Ausstellungsbesuche (z. B. „Die griechische Klassik“, Berlin 2002), das Kennenlernen des Universitätsfaches „Klassische Philologie“ (FU Berlin) und durch die traditionelle Bildungsreise der zwölften Klasse, die mit ihrer fundierten Vor- / Nachbereitung und mit Schülerreferaten vor Ort einen jährlichen Höhepunkt darstellt.
Schließlich wird darauf Wert gelegt, die Verbindung zur Kunst, insbesondere zur Kunstgeschichte Potsdams und Berlins zu pflegen, was zum Beispiel in öffentlichen Schülerausstellungen (Aphrodite 2000), Projekten zu bestimmten mythologischen Figuren in der Potsdamer Plastik (etwa zu Herakles) und Führungen durch den Park Sanssouci seinen Ausdruck findet.
Die Sprachenfolge am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder
Alle Kinder bringen Englisch als erste Fremdsprache mit, die weitergeführt wird. Zwei der drei jährlich neu aufgenommenen Klassen beginnen mit Latein als zweiter Fremdsprache: Die Schüler unserer Leistungsprofilklasse, die in zwölf Jahren zum Abitur gelangen, beginnen in der sechsten Klasse mit Latein. Für die eine beiden der siebten Klassen beginnt der Lateinunterricht, für die andere Französisch mit dem Eintritt ins Gymnasium.
Die dritte Fremdsprache wird, wie üblich, in der 9. Klasse eingeführt. Ihre Wahl ist nicht obligatorisch (andere Wahlpflichtfächer sind z. B. Musik oder Naturwissenschaften), aber an unserem Gymnasium ausdrücklich erwünscht. Wählen die Eltern bzw. der Schüler eine dritte Fremdsprache, so kann er auf Hermannswerder zwischen Griechisch und Französisch wählen. Beide Sprachen werden jeweils, wie die erste und zweite Fremdsprache, bis zum Abitur fortgeführt.
Da Griechisch meistens von sehr leistungsbereiten Schülern gewählt wird, gilt an unserem Hause für dieses Fach – wie auch für das Fach Philosophie – in der Oberstufe eine Ausnahme von der seit kurzem gültigen Soll-Bestimmung , wonach die Anzahl der Wochenstunden begrenzt sein soll.
So wird neben anderen Möglichkeiten insbesondere die Verknüpfung von Griechisch und Philosophie in der Oberstufe möglich, was Schülern, die ein geisteswissenschaftliches Studium ins Auge fassen, eine ideale Vorbereitung gewährt.
Generell wird den Schülern, die ab der elften Klasse eventuell Philosophie wählen möchten, Griechisch ab der 9. Klasse empfohlen, auch wenn die Aufnahme in den Philosophiekurs nicht an diese Wahl geknüpft ist.
Tendenzen und Entwicklungen
In Zukunft werden die klassischen Sprachen stärker als bisher in speziellen Fachräumen unterrichtet werden, die mit ihrer Ausstattung dem Anliegen der Fächer noch mehr entgegenkommen. Insbesondere wichtiges Material (Wörterbücher, Videos etc.), auf welches immer wieder im Unterricht zurückgegriffen werden muss, wird im Fachraum vorhanden sein.
Die Zusammenarbeit mit den verwandten Fächern (vor allem Kunst, Religion, Deutsch, Geschichte und Philosophie) soll über das bisherige Maß hinaus zu gemeinsamen Ansätzen führen. Aber auch zu den Naturwissenschaften sind weitere interessante Verbindungen denkbar.
Damit im Zusammenhang steht die Tendenz, die (sehr berechtigte) Autorenlektüre durch noch mehr thematisch orientierte Lektüre zu ergänzen: In Frage kommen zum Beispiel Themen wie ‚die griechische oder lateinische Religion‘, ‚vorchristlicher Atheismus‘, ‚ die Satire als Gattung‘ (fächerübergreifend) und, um auch ein gerade behandeltes zu nennen, das ‚Zeitalter des Augustus‘.
Eine engere Zusamenarbeit mit der Potsdamer Universität und eine stärkere Integration von Themen der antiken Literatur/Kultur in die hauseigene Reihe der „Hermannswerderaner Abende“ sind ebenfalls wünschenswerte Ziele der kommenden Zeit.
Dies möge zu Wesen und Angebot der klassischen Sprachen am Evangelischen Gymnasium zu Hermannswerder für einen ersten Einblick genügen.
Auf weitere Fragen antworten gern die Kollegen, die diese Fächer am Haus vertreten.
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